Chronik
136 Jahre Feuerwehr Büchen
1890 schlossen sich beherzte Bürger in Pötrau zusammen und gründeten eine Feuerwehr. Aus diesen Anfängen ist über 135 Jahre eine moderne, leistungsfähige Wehr geworden – durch zwei Weltkriege, Inflation, Wiederaufbau, den Zusammenschluss mit Nüssau und stetigen technischen Wandel. Diese Chronik folgt den Spuren der Wehr von den ersten Übungen bis in die Gegenwart.
1890–1910: Die Anfänge in Pötrau
Die Entwicklung des Feuerwehrwesens im Kreis Lauenburg machte auch vor der Gemeinde Büchen nicht halt. So kam es, dass sich einige beherzte Bürger aus Pötrau zusammenfanden und im Jahre 1890 eine Feuerwehr gründeten. Bis auf Hugo Wulff als Schriftführer ist über die Gründungsmitglieder leider nichts überliefert.
Ein Zeitungsausschnitt aus dem Jahre 1892 aus der damaligen Lauenburgischen Zeitung weist neben dem Protokoll von 1910 auf die neuen Wehren Pötrau, Fitzen und Witzeeze hin. Dieser Zeitungsausschnitt wurde 1971 dem Wehrführer Wilhelm Lempges durch den Lehrer Emil Bubert zugesandt.
1890
1910
1910–1930: Reges Vereinsleben und Erster Weltkrieg
Aus den Protokollen von 1910 bis 1914 geht hervor, dass die Wehr bei zahlreichen Übungen und kameradschaftlichen Zusammenkünften ein reges Vereinsleben pflegte. Beim traditionellen Lunkwurstessen wurden 1913 aus der Kameradschaftskasse 50 Liter Bier und eine Kiste Zigarren freigemacht.
Während des Ersten Weltkriegs (1914–1918) ruhte der Übungsbetrieb weitgehend. Ab 1919 ging es richtig los: Die Wehr zählte 41 Kameraden, 2 Soziale und 1 Ehrenmitglied. Bei den Führerwahlen wurden Ludwig Möller zum Hauptmann und Karl Arnold zum Vizehauptmann gewählt; H. Wulff wurde Spritzenführer, W. Beckmann sein Vize. Der Übungsdienst wurde nun verstärkt wieder aufgenommen.
In den folgenden Jahren wuchs die Wehr auf 70 Mitglieder. Die Kontakte zu den gleichaltrigen Wehren Witzeeze und Fitzen wurden gepflegt, vor allem bei den Bällen. Mit der galoppierenden Inflation stiegen jedoch auch die Kosten – schon Anfang der 1920er Jahre kostete der Eintritt zum Ball 5 Mark.
1930–1950: Erstes Auto, Blitzschlag und Kriegsjahre
Die schlimmste Zeit der Inflation und politischen Unruhen war vorbei. 1931 verfügte die Wehr erstmals über ein Auto für den Transport der Spritze. Aus den handschriftlichen Aufschreibungen von Pastor Harten und dem Protokoll vom 7. Jan. schlug im Jahr 1932 der Blitz in den Pötrauer Kirchturm ein und zerstörte diesen. Die Wehr rückte 1932 zu vier Einsätzen aus und erhielt von der Aachen-Münchener-Versicherung eine Prämie von 100 Mark für ihren tatkräftigen Einsatz.
Der Kreisfeuerwehrverbandstag in Düneberg hat nach Mitteilung des Herrn Hauptmann L. Niemann für die Wehr nichts neues gebracht. Neu waren jedoch in den folgenden Jahren die Aufgaben und Einsätze.
Der Brand der Pötrauer Schule blieb glücklicherweise harmlos. Das die Feuerwehrmänner schnell handeln konnten, bewies hier Paul Duwe, als er die durch Funkenflug entzündete Pfarrscheune durch ersticken der Flammen rettete.
Die Kriegsjahre brachten der Wehr zahlreiche Einsätze in Lübeck und Hamburg. Der schwerste Einsatz war jedoch in Büchen selbst, als das eigene Hab und Gut gerettet werden musste. Viele zerbombte Häuser wurden ein Raub der Flammen, und zahlreiche Verwandte, Bekannte und Freunde mussten aus den Trümmern geborgen werden.
1930
1950
1950–1970: Wiederaufbau und neues Gerätehaus
Nach dem Krieg ging es an den Aufbau des eigenen Lebens und der Wehr. Aus den Kriegswirren konnte einiges hinübergerettet werden – auch wenn eines guten Morgens das Auto gestohlen worden war. Die Gemeinde half tatkräftig beim Wiederaufbau.
1962 wurde ein Löschfahrzeug LF 8 auf Opel-Fahrgestell beschafft, und im selben Jahr bezog die Wehr das neue Gerätehaus an der Bahn. Das Fahrzeug erhielt im September 1962 bei Siemann in Witzeeze seine Feuertaufe.
Zum 75-jährigen Jubiläum zählte die Wehr 28 Mitglieder. Herausragende Einsätze und Veranstaltungen dieser Zeit waren das Hochwasser an der Wakenitz in Lübeck und der Kreisverbandstag 1969 in Büchen.
1970–1990: Zusammenschluss mit Nüssau und Jugendfeuerwehr
Auch wenn die Mitgliederzahl mit 33 Aktiven nur leicht stieg, gingen die Einsatzzahlen stark in die Höhe. Schon bald reichte der Platz für die Einsatzgeräte nicht mehr aus, und es musste neu gebaut werden. 1970 wurde das Gerätehaus an der Möllner Straße übergeben. Im selben Jahr kam das Tanklöschfahrzeug TLF 16 hinzu.
Was kommen musste, kam: Die Wehren Pötrau und Nüssau, die im Gerätehaus bereits vier Jahre nebeneinander gelebt hatten, schlossen sich zusammen.
Die Repräsentanz der Jugendfeuerwehr beim Kreisverbandstag in Güster 1975 führte zur Gründung einer Jugendfeuerwehr in Büchen. Es fanden sich auf Anhieb 25 Jugendliche zusammen, die die Ideen der Jugendfeuerwehren nacheifern wollten. Etliche von ihnen sind später in den aktiven Dienst gewechselt.
Aufgrund der wachsenden Aufgaben erhielt die Wehr ein weiteres Einsatzfahrzeug und ein Löschgruppenfahrzeug LF 16. Rechtzeitig zum 100-jährigen Bestehen stand ein neues LF 8 mit Gefahrgutkomponenten – speziell für den Bahnhof Büchen – im Gerätehaus. Beim Festakt übernahm die Wehr außerdem das LF 8 von Wotersen aus dem Baujahr 1943; mit einem baugleichen Fahrzeug waren die heutigen Ehrenmitglieder während des Krieges im Einsatz.
1970
1990
1990 bis 2000: Modernisierung und neues Feuerwehrhaus
Die Wehr verzeichnet seither nahezu gleichbleibende Einsatzzahlen. 1994 wurde ein neues Tanklöschfahrzeug beschafft; das alte, über 20 Jahre alte Fahrzeug ging an die Wehr Schwanheide.
Mit ELW, LF 8, LF 16, TLF 16/25 und dem GW (DAF Langpritsche) verfügte die Wehr über einen Fahrzeugpark, mit dem sie nahezu für alle Einsätze gerüstet war.
Der für 1996 geplante Neubau des Feuerwehrhauses auf dem ehemaligen Kirmesplatz an der Raiffeisenstraße wurde verwirklicht und konnte am 16. Juli 1999 bezogen werden. Im selben Jahr übernahm die Wehr durch den Kreis einen gebrauchten Rüstwagen RW 1, der zuvor in Lübeck stationiert war. Mit dem RW kam ein weiteres Einsatzgebiet hinzu: Seit 1999 unterstützt die Büchener Wehr die Feuerwehren Gudow und Talkau bei Einsätzen auf der BAB 24.
Text: Uve Dreessen
Großbrand Sporthalle
In der Nacht zum 19. Dezember 2021 wurde die Feuerwehr Büchen gegen 23 Uhr zum Brand der Sporthalle der Friedegart-Belusa-Gemeinschaftsschule Büchen mit Oberstufe alarmiert. Das Feuer war im Eingangsbereich ausgebrochen und breitete sich rasch auf eine Fläche von drei Handballfeldern aus. Insgesamt rückten 10 Feuerwehren mit zwei Drehleitern und rund 170 Einsatzkräften an. Durch das entschlossene Vorgehen der Einsatzkräfte konnte ein Übergreifen der Flammen auf das angrenzende Schulgebäude verhindert werden.
2021
2026
Ein einsatzreiches Jahr
2026 zählt die Wehr 44 aktive Mitglieder, ergänzt durch 4 Zweitmitglieder, 24 fördernde Mitglieder und 15 Ehrenmitglieder. In der Jugendfeuerwehr sind 20 Mädchen und Jungen aktiv – sie feiert in diesem Jahr ihr 50-jähriges Jubiläum.
Im Einsatzdienst verzeichnete die Wehr im Jahr 2025 insgesamt 68 Alarmierungen. Im Rahmen der Brandschutzerziehung wurden 293 Kinder unterwiesen.
Ein Meilenstein war der Bezug des Erweiterungsbaus. Gemeinsam mit den umfassend renovierten Bestandsgebäuden wurde der neue Komplex 2026 an die Feuerwehr übergeben und bietet nun deutlich mehr Platz für Fahrzeuge, Ausbildung und Kameradschaft.
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